Uwe Reisenauer – Play Logo

Das Potential von Original Play,
Probleme wie Aggression und Gewalt zu lösen,
liegt in der Inklusion aller Spiel-Teilnehmer*innen.

Jolanta Graczykowska

Spiel mit Herz

Mein letzter Tag in Beirut. Vor dem Hotel in der Sonne sitzend warte ich auf das Taxi zum Flughafen. Da kommt ein junges Mädchen vorbei und bietet mir eine Packung Taschentücher an: „Please Mister, just one Dollar, please, please“. Ich bin etwas verunsichert, lächle freundlich, lehne aber dankend ab. Sie versucht es weiter, „Please, please, no Dollars? Please“.

Ein schelmisches Lächeln zeigt sich hinter ihrem für den Touristen aufgesetzten Leidensblick. Natürlich habe ich noch Dollars und auch libanesische Pfund in meiner Tasche und es wäre ein Leichtes, ihr die Taschentücher abzukaufen. Aber ich bin neugierig, wie ich ihr wirklich begegnen kann. Wir lächeln beide, es entsteht ein spielerischer Dialog von immer neuen Bitte und Nein, danke.

Nach einer Weile wird mir immer deutlicher, dass dieser freundliche Kontakt das Herzstück unserer Begegnung ist. Nach meinem „I don’t give money“ folgt noch ein letzter Versuch, dann gibt sie auf und geht weiter die Strasse hinauf.

Spiel Libanon 29

Nur wenige Minuten später erkenne ich sie wieder. Mit zwei Freundinnen kommt sie die Strasse herab, jede von Ihnen hat einen Mittagssnack vom Kiosk um die Ecke in der Hand. Sie spricht kurz zu ihren Freundinnen, dann schauen die drei zu mir herüber und winken mir lächelnd zu. Anschließend verschwinden sie wieder im Getümmel der schräg gegenüberliegenden Schule.

Wie viele Situationen gab es in meinem Leben, in denen ich reflexhaft auf Zuruf reagierte, meinen Kindern schnell irgendeinen Wunsch erfüllte, einem Bettler einen Euro in die Hand drückte, unbedacht ein Geschenk annahm, und den Menschen mir gegenüber gar nicht sah? Wie oft habe ich Gelegenheiten zu wirklicher Begegnung ungeachtet verstreichen lassen?

Im wahren Leben wie im Spiel auf der Matte geht es vor allem anderen darum, einander wirklich zu begegnen. Es gilt, hinter das Offensichtliche zu schauen, das Wesen des gemeinsamen Menschseins zu erkennen und zu leben. Dann kann eine freundliche Verbundenheit entstehen, ein geschenktes Lächeln und Winken - ganz ohne materielle Gaben und Abhängigkeit.