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Spiel entsteht aus dem Moment heraus,
aus der Begegnung zweier Spielgefährten
und ruht völlig im gegenwärtigen Augenblick.

Uwe Reisenauer

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So fragt Fred gelegentlich seine Workshop-TeilnehmerInnen – nicht als Test oder theoretische Frage, sondern sehr konkret und persönlich, in dieser Welt. Denn: Warum sollte ich mit Kindern spielen, wenn die Erfahrungen daraus im entscheidenden Moment nicht brauchbar sind?

Ist Frieden nur ein netter Appell und Spiel nur spaßiger Zeitvertreib? Worauf verlasse ich mich im Alltag, bei Konflikten oder in schwierigen Situationen? Lasse ich dann meinen Kampf- und Fluchtreflexen freien Lauf? Oder öffnet sich mein Geist und mein Herz schaltet sich ein, damit mein Körper sanft und sicher dem Gegenüber begegnen kann?

Sanft ist kraftvoll...

In der Zeit meines Lernens mit Original Play, als Vater zweier Kinder, Ehe-Partner oder als Leiter einer Kindertagesstätte, begleiten mich diese Fragen seit langem. Wie können Beziehungen, Familien, Gemeinschaften oder Institutionen friedfertig und konstruktiv wachsen?

Die „Tsunami & Butterfly“-Workshops der letzten Monate waren für mich gefüllt mit wunderbaren Inspirationen und wertvollen Erfahrungen zu diesen Fragen. In zahlreichen Übungen und im gemeinsamen Spiel konnte ich spüren, wie machtvoll sanfte Berührung sein kann.

Bereits vor einigen Jahren durfte ich im Spiel mit Kindern einer Hamburger Grundschule zum ersten Mal erleben, wie die kleinen Ninja-Kämpfer brüllend angerannt und auf mich zugesprungen kamen – und ich Sekunden später sanft kuschelnde Jungs in meinen Armen hielt, die kurz darauf erneut Anlauf nahmen.

Die Berührung hatte sie verwandelt – keine Abwehr von meiner Seite war notwendig gewesen und auch keine Absicht, sie zu besänftigen. Tatsächlich wusste ich damals kaum, wie mir geschieht, und ich war überrascht von der plötzlichen Veränderung.

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...und Sicherheit die Basis

Inzwischen machte ich immer wieder dieselbe Erfahrung: Wenn der sichere Raum mit meiner Präsenz vorbereitet ist und einlädt, dann ist es völlig überflüssig, auf anstürmende starke Energien oder Aggression mit Gegenwehr zu re-agieren. Wo kein Opfer ist, gibt es auch keinen Täter, und wir alle sind sicher!

So stellt sich mir die Frage nach dem möglichen Frieden neu. Es geht dabei scheinbar gar nicht darum, wie die Welt ist oder was andere tun. Die Frage richtet sich nun an mich selbst: Kann ich in dieser Welt in Frieden sein? Und vielleicht sogar andere in diesen Frieden einladen?

In Körper und Geist Frieden finden

Vor diesem Hintergrund erschließt sich mir auch die christliche Idee des „Liebet eure Feinde“ auf neue Weise. Trage ich den Frieden in mir und bin darin gar nicht abhängig von äußeren Umständen?

Der buddhistische ZEN-Meister Thich Nhat Hanh erläutert seine Losung „Friede in mir – Friede in der Welt“ ähnlich als Motivation zu „lernen, wie wir unserem Körper und Geist Frieden bringen können, so dass wir in unserem täglichen Leben mitfühlend denken, mitfühlend sprechen und mitfühlend handeln“ (Lächle, Das Anwendungsbuch, S. 37).

Und dass sanft und mitfühlend keinesfalls bedeutet, einfach macht- und wehrlos zu sein, sondern eine kraftvolle Möglichkeit bietet, einander aktiv zu spüren, intensiv zu begegnen und dabei freudig und sicher zu sein, erlebe ich mit Kindern und Erwachsenen auf der Matte und im Alltag immer wieder.

So beinhaltet ursprüngliches Spiel für mich auch die Fähigkeit, mit sich und anderen sicher und in Frieden zu sein, oder wie es der tibetische Weisheitslehrer Chögyam Trungpa nennt, gemeinsam teilzuhaben am „natürlichen großen Frieden“.

Die Verheißung lautet:
Die Fähigkeit und das Wissen um Spiel ist allem Leben eingeboren, es schlummert in uns allen. Und es kann in Gemeinschaft mit Spielgefährten jederzeit wieder geweckt werden. In den kleinen Gesten des Alltags, wenn wir uns mit einem Lächeln begegnen; in den großen Momenten überschäumenden Glücks, wenn die neugeborenen Eltern das Baby strahlend empfangen; in vielfältigen Begegnungen in der Natur; und eben auch auf der Matte mit all den großen und kleinen SpielgefährtInnen. Und...

Kommst Du mit raus zum Spielen?