Uwe Reisenauer – Play Logo

Beim Spielen können wir stark sein!

Ein Schüler einer 6. Klasse
in einer Förderschule nach dem Spielen

Uwe mit Rabe

Neulich fragte Jonna (6 J.): „Mama, was ist ein Fehler?“ – Welch eine wunderbare Frage! Hier geht es nicht nur um Wissen, sondern es ist Besinnung gefragt. Ein gemeinsames Thema ist aufgebracht worden. Wie wollen wir damit umgehen?

Tatsächlich stellt sich mir diese Frage an jedem neuen Morgen, in jedem einzelnen Moment: Wie will ich die mir geschenkte Lebenszeit verbringen? Lasse ich meine Entscheidungen und Handlungen von Angst gesteuert sein oder sollen Lebensfreude, Offenheit und Liebe mein Leben leiten? Ich weiß, dass ich immer die Wahl habe, und für mich sind Kinder dabei die besten Mentoren.

Jonnas Frage erinnert mich an eine Zeit, als es noch keine Fehler gab. Es war Sommer, ich war vielleicht drei oder vier Jahre alt, und jeden Tag streifte ich mit unserem Hund auf der unendlich weiten Wiese neben unserem Garten umher. Immer schien die Sonne und alles war gut. Mit jedem Schritt, in jedem einzelnen Moment konnte ich staunend tausend neue Dinge entdecken: Ein Erdloch, einen Baum, einen Käfer, eine Pfütze … Die Welt war weit offen und das Leben ein einziges Abenteuer.

Kinder meistern das Leben und die anstehenden Lernaufgaben spielend. Motorik, Sprache, soziales Miteinander eignen sie sich aus purer Neugier, ihrem inneren Gespür folgend, ohne Vorbehalte an und lernen so unglaublich effektiv.

Seit ich wieder mit Kindern spiele – eigenen und fremden, wenige Wochen alten, Schulkindern und Teenagern, gesunden, kranken und behinderten, egal woher sie kommen – seitdem komme ich auf den Boden, lasse mich an die Hand nehmen und folge mit der Bereitschaft zu entdecken, was dieses Kind mich lehren will. Denn Kinder erklären sich nie, sie handeln. Und die Lektion zu lernen erfordert meine genaue Beobachtung und Einfühlung.

So konnte ich erfahren, dass Spielen keineswegs zufällig passiert. Es beinhaltet keine willkürlichen Aktionen nach Lust und Laune, und auch der fast zwanghafte Wettkampf, immer besser sein zu müssen als andere, hat mit Spiel nichts zu tun.

Wirkliches, ursprüngliches Spielen braucht Sicherheit als Grundlage. Die dem ursprünglichen Spiel eigene Kraft und Dynamik stammt aus der Verbundenheit zwischen Lebewesen und schöpft seine Macht aus unserer Fähigkeit zu lieben, die allem Leben eingeboren ist.

Diese unbedingte Liebe vermag das Leben zu befruchten und zum Erblühen zu bringen, so wie der kleine Vogel Penguin Bloom, der aus dem Nest fiel und damit eine Familie rettete, denn „er zeigte uns, dass es in der Welt viel mehr Liebe gibt, als wir uns hätten vorstellen können.“ Aber das ist eine andere Geschichte …

Dieser Text ist entstanden für die aktuelle Ausgabe der „Licht Seiten – für das Gute in uns“ mit dem Themenschwerpunkt 'Kinder'.