Uwe Reisenauer – Play Logo

Wenn ihr das Himmelreich
nicht annehmt wie die Kinder,
dann werdet ihr es nicht erlangen.

Matthäus 18,3

Armin Knauthe Original Play Libanon

Neulich traf ich auf meiner Reise einen mir bisher unbekannten Meister.

Als unsere kleine Reisegruppe eintraf, erwartete er uns bereits lächelnd im Kreise seiner Gemeinschaft. Nach einer kurzen allgemeinen Begrüßung nahm er sich Zeit für jede/n von uns. Es gab dafür keinen festgelegten Ablauf, keine organisierten Rituale. Ich war im Nirgendwo gelandet, ohne Orientierung. Ohne Aufgabe und klares Ziel stand ich im Freien, zurückgeworfen auf mich selbst.

Er umarmte uns, nahm sich immer wieder viel Zeit für jeden einzelnen, schenkte uns einige Worte. Seine Augen strahlten Wärme und eine tief empfundene Weisheit aus. Seine Berührungen waren dabei sanft wie der Wind, auch wenn die Haut seiner Hände rauh und vom Leben gezeichnet waren.

Immer wieder schaute er kurz auf, sah wenn jemand etwas brauchte oder gerade allein stand. Dann ging er hin, lächelte, schenkte eine Umarmung. Er verteilte auch frisch gebackenes Brot. Er sah, dass meine Wasserflasche leer war, und füllte sie. Ich war überwältigt von der Leichtigkeit seiner Umsicht, seiner Freigebigkeit und Herzenswärme, die nichts als Gegenleistung erwartete.

Lebanon kids 2018 s
Armin Rumi
Lebanon Team

Überall auf dem Platz war seine Präsenz spürbar. Mal unterwegs von einem zum anderen, mal in tiefer Umarmung versunken, spann er ein unsichtbares Netz der Liebe und Zuwendung in die Verbundenheit unserer Gruppe.

Ich kenne seinen Namen nicht. Er ist wohl 5 oder 6 Jahre alt und lebt im Lager Nr. 094 bei El Marj im Bekaa-Tal im Libanon. Seine Familie flüchtete vor dem Krieg in Syrien. Wie fünf weitere seiner acht Geschwister hat er eine genetische Behinderung, die seinen Kopf vergrößert und seine körperliche Beweglichkeit deutlich eingeschränkt hat.

Möge er lange und in Frieden leben.