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Spiel entsteht aus dem Moment heraus,
aus der Begegnung zweier Spielgefährten
und ruht völlig im gegenwärtigen Augenblick.

Uwe Reisenauer

Spiel mit U3-Kindern im Kita-Gruppenraum

Kinder spielen von Geburt an. Sie berühren, imitieren, erforschen - sie begegnen der Welt offen und ohne vorgefasste Meinung. Ursprüngliches Spiel kennt keinen Wettbewerb, keine Gewinner oder Verlierer. Es ist gelebtes Vertrauen.

Werden die Kinder älter, bringen wir Erwachsenen ihnen unsere "Spiel-Regeln" bei, an die sie sich in der Gesellschaft zu halten haben, wenn sie erfolgreich sein, anerkannt und geliebt werden wollen.

Damit beginnt die Verwirrung. Zuwendung wird immer mehr abhängig von Gehorsam gegeben, und Macht kommt ins Spiel. Die Freude am Spiel wird ersetzt durch die Freude am Gewinnen, und am Ende nennen wir es sogar "Spiel", wenn Kinder am Bildschirm mit Raketen gegnerische Panzer abschießen.

Jede Kultur hat ihre eigenen Spiel-Regeln entwickelt, nach denen Kinder in die Gesellschaft eingeführt werden. Es gibt aber bereits Spiel bevor Kultur entsteht. Wir nennen es ursprüngliches Spiel, Original Play.

Ursprünglich gibt es im Spiel keine Gewinner und Verlierer, keine Regeln, kein Versagen, keine Schuld und auch keine Revanche. Spiel entsteht aus dem Moment heraus, aus der Begegnung zweier Spielgefährten und ruht völlig im gegenwärtigen Augenblick. Es gibt kein Ziel außerhalb des Hier und Jetzt.

Spiel Libanon 3

Spiel ist in der Lage – unabhängig von kulturellen Bedingungen – Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, unterschiedlichen Alters, Gesunde und Kranke, Kinder, Männer und Frauen unabhängig von all diesen Kategorien und ungeachtet ihrer persönlichen Vorerfahrungen auf eine sichere und verbindende Weise in Kontakt zu bringen.

Jedes lebende Wesen bringt die Fähigkeit zu Spielen mit auf diese Welt, und sie kann jederzeit wieder geweckt werden, auch wenn sie tief unter kulturellen Mustern und Gewohnheiten vergraben ist.

Wirklich lernen kann man Original Play aber nur von den Experten, von kleinen Kindern, psychisch Kranken oder frei lebenden Tieren. Sie teilen nicht unsere gewohnte Realität und gesellschaftlichen Konventionen, sondern fordern uns auf ihre je eigene Weise auf, trennende Kategorien zu vergessen und uns vorbehaltlos einzulassen. Dann können wir neue Möglichkeiten entdecken.

Denn was aussieht wie schlichtes Herumtollen, Raufen, Jagen oder Kuscheln, birgt ein großes Geheimnis in sich: „Wir sind alle liebenswert. Es gibt nichts zu befürchten.“