Uwe Reisenauer – Play Logo

Wenn ihr das Himmelreich
nicht annehmt wie die Kinder,
dann werdet ihr es nicht erlangen.

Matthäus 18,3

Spiel mit Herz

Mitten während des Spiels, in einem ruhigen Moment schaut er mich mit seinen ernsten 4-jährigen Augen an und fragt: „Wer bist Du?“ Meine spontane Antwort: „Ich bin der Uwe.“

Kurz darauf fragt er noch einmal „Wer bist Du?“ Wie soll ich das verstehen? Hat er mich nicht gehört? „Wer bist Du?“ klingt es nach einer Weile noch einmal. Ja, er hat meine Antwort gehört, aber die Frage ist für mich bestimmt!

Wer bin ich wohl tatsächlich unter der Oberfläche? Macht mein Name mich aus, mein Beruf, Status oder mein Äußeres? Bin ich was ich denke, was ich fühle oder was ich gelernt habe und was ich leisten kann? Oder habe ich festgelegte Eigenschaften, bin ich mein Temperament, Herz, Geist oder Seele? Was zeichnet mich in dieser Welt aus?

Vierjährige stellen sich und uns oft diese endgültigen Fragen zum Woher und Wohin im Leben und Sterben, die wir Erwachsenen schon lange vergessen haben oder die wir uns nicht wagen, sie zu stellen. Kinder sehen und benennen in ihrer wachen Neugier die Unsicherheiten, die wir unter unseren Erwachsenen-Masken mühsam zu verbergen suchen.

Die Erkenntnis, einzigartig und endlich zu sein, und aus all den unglaublich vielfältigen Möglichkeiten, die das Leben bietet, wählen zu müssen, ist für Vierjährige oft schmerzhaft neu und verwirrend.

Und nun hat die Frage mich getroffen; freundlich und offenherzig: „Wer bist Du?“ Es klingt nicht fordernd, keine sofortige Antwort ist notwendig. Mein kleiner vierjähriger Original-Play-Lehrer hat mich freundlicherweise daran erinnert, meine Lebenszeit nicht zu vergeuden. Und die Frage tut ihre Wirkung, sie führt mich weiter. Tue ich im Alltag, was mir wirklich wichtig ist? Wo halte ich meine ehrliche Meinung zurück, um Auseinandersetzungen zu vermeiden?

Und wie ist es bei den wichtigen Entscheidungen: Wann verstelle ich mich in Partnerschaft und Beruf und wann bin ich echt? Lebe ich meine Träume und Überzeugungen? Stehe ich ein für das, was mir wirklich wichtig ist? Oder fühle ich mich hilflos und gehetzt und gebe den Druck einfach an meine Nächsten weiter? Wie gestalte ich meine Beziehung zur Welt und zu den Menschen darin?

Und wer bist Du?